Den Ausschlag gab, dass der Münchner Aktionskünstler Michael Hartmann auf Fußwegen durch die Stadt immer wieder feststellte, dass er durch auf Gehwegen geparkte Autos stark behindert und eingeengt wurde. Er wollte die Bürgersteige autofrei machen und entschloss sich, einem geparkten Auto nicht mehr auszuweichen, sondern einfach darüber zu gehen. Damit war das Carwalking erfunden. Selbstverständlich war Hartmann stets darum bemüht, keine Beschädigungen zu verursachen. Bis auf wenige Ausnahmen, die ihm dann Bußgelder und Klagen auf Schadenersatz einbrachten, ist ihm das auch gelungen. Er veröffentlichte sogar eine Beschreibung, wie man das Carwalking angehen sollte, damit keine Schäden entstehen konnten. Vorübergehend erlangte er durch seine Aktionen auch Aufsehen in den Medien.

Vereinzelte Nachahmer wollten das Carwalking gesellschaftsfähig machen. Das ist bis heute allerdings nicht gelungen. Hartmann musste mehrere Inhaftierungen und auch Aufenthalte in der Psychiatrie auf sich nehmen, wurde aber immer wieder ohne weitere Folgen entlassen. Über seine Idee des Carwalking referierte der Münchner auch in Verkehrsseminaren. Außerdem veröffentlichte er ein Buch darüber und einen Kurzfilm mit dem Titel „Autoschreck“.

Das erste Mal praktizierte Hartmann das Carwalking im Jahr 1988. Damals war er mit seiner Freundin in München unterwegs und musste sich permanent an geparkten Autos vorbeiquetschen. Er beschloss, dass der Mensch über dem Auto stehen sollte, und ging bei diesem Spaziergang das erste Mal einfach über ein Auto hinweg. Weitere Aktionen folgten. Mit dem Streetwalking zum Beispiel wollte Hartmann die Straße, auf der motorisierte Fahrzeuge eigentlich Vorrang genießen, ebenfalls für Fußgänger zurückerobern. Diese Aktion war aber ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Als Hartmann wenige Jahre später ins Ausland verzog, geriet das Carwalking in Vergessenheit.

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